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<title>Hilfsschule</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Hilfsschule</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Hilfsschule</b> ist ein heute nicht mehr verwendeter Name für eigenständige <a href="Sonderp%C3%A4dagogik" title="Sonderpädagogik">sonder-</a> oder <a href="Heilp%C3%A4dagogik" title="Heilpädagogik">heilpädagogische</a> <a href="F%C3%B6rderschule_(Deutschland)" title="Förderschule (Deutschland)">Förderschulen</a> im deutschen Sprachraum. Hier wurden auf der Basis der <a href="Allgemeine_Schulpflicht" class="mw-redirect" title="Allgemeine Schulpflicht">allgemeinen Schulpflicht</a> Kinder unterrichtet, die man aus unterschiedlichen Gründen als nicht fähig zum <a href="Volksschule" title="Volksschule">Volksschulbesuch</a> betrachtete. Die Konzeption richtete sich auf Schüler, die man später als <a href="Lernbehinderung" title="Lernbehinderung">Lernbehinderte</a> oder Lernbeeinträchtigte bezeichnete, weniger auf <a href="Geistige_Behinderung" title="Geistige Behinderung">geistig Behinderte</a> und nicht auf <a href="Sinnesbehinderung" title="Sinnesbehinderung">Sinnesbehinderte</a> oder Sinnesbeeinträchtigte. Der Hilfsschule vergleichbare Institutionen werden in Deutschland heute Förderschulen für Lernbehinderte und in Österreich Allgemeine <a href="Sonderschule_(%C3%96sterreich)" title="Sonderschule (Österreich)">Sonderschulen</a> genannt.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Eigene Schulen für Sinnesbehinderte, insbesondere Hör- und Sehbehinderte, gab es bereits seit dem Ende des 18. bzw. dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden auch mehr und mehr sogenannte „Idiotenanstalten“, die geistig behinderte Kinder aufnahmen, die man für nicht bildungsfähig hielt. Gelegentlich wurden dennoch <a href="P%C3%A4dagogik" title="Pädagogik">pädagogische</a> Einrichtungen für geistig Behinderte („Schwach- und Blödsinnige“) gegründet, so 1846 in <a href="Hubertusburg" title="Hubertusburg">Hubertusburg</a>. Mit der zunehmenden Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht und den wachsenden Anforderungen an den Volksschulunterricht gab es jedoch immer häufiger Schulversager, die aus unterschiedlichen Gründen für volksschulunfähig gehalten wurden. Für diese Kinder wurden im Lauf des 19. Jahrhunderts an mehreren Orten in Deutschland Hilfsklassen oder „Nachhilfeklassen“ eingerichtet, die einer ordentlichen Volksschule angeschlossen waren. Eine räumlich und institutionell abgetrennte eigene Schulform für sog. „schwachbegabte“ Kinder gab es jedoch zunächst noch nicht.
</p><p><a href="Heinrich_Ernst_St%C3%B6tzner" title="Heinrich Ernst Stötzner">Heinrich Ernst Stötzner</a>, ein Lehrer, der zunächst an der Hubertusburger „Erziehungsanstalt für schwach- und blödsinnige Kinder“ und später an einer <a href="Taubstummenanstalt" class="mw-redirect" title="Taubstummenanstalt">Taubstummenanstalt</a> in Leipzig tätig war, forderte bereits 1864 in einer Schrift eigenständige „Schulen für schwachbegabte Kinder“.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese Schulform sollte sich weniger an geistig Behinderte als an solche Kinder richten, die „in der Mitte zwischen normalgebildeten und blödsinnigen Kindern stehen“<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Gemeint waren damit wohl, so Sieglind Ellger Rüttgard, „leicht intelligenzgeschädigte Kinder“, nicht so sehr Schulversager. Größeren Einfluss auf das entstehende Hilfsschulsystem hatte jedoch die <a href="Braunschweig" title="Braunschweig">Braunschweiger</a> Hilfsschulklasse, die <a href="Heinrich_Kielhorn" title="Heinrich Kielhorn">Heinrich Kielhorn</a> ab 1881 einrichtete – insbesondere dadurch, dass Kielhorn 1898 zu den Initiatoren des <a href="Verband_der_Hilfsschulen_Deutschlands" class="mw-redirect" title="Verband der Hilfsschulen Deutschlands">Verbandes der Hilfsschulen Deutschlands (VdHD)</a> gehörte.
</p><p>Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland und Österreich immer mehr Hilfsschulen gegründet. Ihre Zahl sowie die Zahl der dort unterrichteten Schüler wuchs seit 1900 enorm an. 1905 gab es in 143 Städten des Deutschen Reichs 700 Hilfsschulklassen mit 15.000 Schülern und Schülerinnen, 1912 waren es bereits 285 Städte, 1700 Klassen und 39.000 Kinder.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Rupert_Egenberger" title="Rupert Egenberger">Rupert Egenberger</a>, 1922 einer der Gründer der Gesellschaft für Heilpädagogik (GfH) und Vorstandsmitglied im VdHD, verstand die Hilfsschule als „heilpädagogische Anstalt“. Da man die „Minderwertigen“ nicht beseitigen könne, sei es notwendig, „mit bitterem Ernste die Auswirkung der Minderwertigkeit und die weitere Verseuchung durch Minderwertige durch heilpädagogische Mittel zu bekämpfen“. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde diese heilpädagogische Zielsetzung 1933 abgelöst von einem Konzept der Ausgrenzung der „Nichterziehbaren“, wie es <a href="Adalbert_Gregor" title="Adalbert Gregor">Adalbert Gregor</a>, <a href="Werner_Villinger" title="Werner Villinger">Werner Villinger</a> und <a href="Paul_Schr%C3%B6der_(Mediziner%2C_1873)" title="Paul Schröder (Mediziner, 1873)">Paul Schröder</a> propagierten. Sie betrachteten die Hilfsschule nicht mehr als heilpädagogische Institution, sondern als „Leistungsschule“, die nurmehr „Bildungsfähige“ aufnehmen sollte; „Nichterziehbare“ sollten zum Schulsystem keinen Zugang mehr erhalten, sondern in Anstalten verwahrt werden.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Sieglind_Ellger-R%C3%BCttgardt" title="Sieglind Ellger-Rüttgardt">Sieglind Ellger-Rüttgardt</a>: <i>Geschichte der sonderpädagogischen Institutionen</i>. In: Klaus Harney, Heinz-Hermann Krüger (Hrsg.): <i>Einführung in die Geschichte von Erziehungswissenschaft und Erziehungswirklichkeit</i>. 3., erweiterte und aktualisierte Auflage. Barbara Budrich, Opladen und Farmington Hills 2006, S. 269–290.</li>
<li>Jona T. Garz: <i>Zwischen Anstalt und Schule. Eine Wissensgeschichte der Erziehung »schwachsinniger«&nbsp;Kinder in Berlin, 1845–1914</i>. Transcript, Bielefeld 2022. <a href="https://doi.org/10.14361/9783839458525" class="extiw external" title="doi:10.14361/9783839458525">Online</a></li>
<li>Gerhard Heese: <i>Sonderschulen</i>. In: Hans-Hermann Groothoff (Hrsg.): <i>Das Fischer Lexikon Pädagogik</i>. Neuausgabe. Fischer, Frankfurt am Main 1973, S. 277–284.</li>
<li><i>Hilfsschule</i>. In: <a href="Winfried_B%C3%B6hm" title="Winfried Böhm">Winfried Böhm</a>, <a href="Sabine_Seichter" title="Sabine Seichter">Sabine Seichter</a>: <i>Wörterbuch der Pädagogik</i>. 17. Auflage. UTB, Stuttgart 2018, S. 216.</li>
<li>Herwig Baier: <i>Die deutsche Hilfsschule in den böhmischen Ländern: Ein exemplarisches Beispiel der Schulpolitik.</i> In: <i>Bohemia</i>, 17. Jg. (1996), S. 391–401.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Hilfsschule" class="extiw external" title="wikt:Hilfsschule">Wiktionary: Hilfsschule</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Heinrich Stötzner: Schulen für schwachbegabte Kinder. Erster Entwurf zur Begründung derselben. Winter, Leipzig 1864.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Zitiert nach <a href="Sieglind_Ellger-R%C3%BCttgardt" title="Sieglind Ellger-Rüttgardt">Sieglind Ellger-Rüttgardt</a>: <i>Geschichte der Sonderpädagogik. Eine Einführung</i>. Reinhardt, München und Basel 2008, S. 154.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Gerhard Heese: <i>Sonderschulen</i>, S. 279.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Klaus Schepker, Heiner Fangerau: <i>Die Gründungsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Kinderpsychiatrie und Heilpädagogik (DGKH) und ihr Wirken</i>. In: Heiner Fangerau, Sascha Topp, Klaus Schepker (Hrsg.): <i>Kinder- und Jugendpsychiatrie im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Zur Geschichte ihrer Konsolidierung</i>. Springer, Heidelberg 2017, S. 17–185, hier: S. 126, 172.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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